Griechenland – Rhodos

„Sieht aus wie eine Bombe!“ Meine Medikamentenkühltasche erregte mal wieder Aufmerksamkeit an der Sicherheitskontrolle am Flughafen..Schnell werden die nahestehenden Polizisten heran gewunken und das kleine, blaue Täschchen wird auf Sprengstoffrückstände getestet und genauestens inspiziert. Ja ich bin mal wieder kurz vor Abflug und ja, nur ich…Nachdem Jannis bereits seit Juni wieder zum arbeitenden Volk gehört und ich meine Freiheit noch bis Mitte August genießen kann, musste spontan noch ein Kurztrip alleine her. Und wo geht’s diesmal hin?! „Nur“ nach Rhodos und nur für 5 Tage. Puh, nach vier Monaten Deutschland könnte es für mich eigentlich auch schon wieder eine Ecke weiter weg gehn…Kuba soll ja ganz schön sein oder Japan…dafür reicht aber leider die Zeit nicht mehr. Na ja, nach Zypern, Kreta und Korfu ist Rhodos nun die vierte griechische Insel die ich besuche und auch diesmal sollte ich nicht enttäuscht werden.

Nachdem ich nach der Landung am Flughafen meinen kleinen, weißen Flitzer abgeholt hatte, überquerte ich einmal die gesamte Insel um zu meinem Apartment in Afantou zu gelangen. Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg in die Berge, hier sollte es ein Tal voller Schmetterlinge geben… nun ja, es war ein Tal voller Schmetterlinge UND Touristen, ist klar, jetzt zur Hauptreisezeit. Entgegen meinen Erwartungen gab es sogar echt viele Schmetterlinge und das Tal war ansonsten auch sehr idyllisch und zum Glück schattig. Ganz im Gegensatz zu meiner nächsten Station, der Ausgrabungsstätte der alten rhodischen Stadt Kamiros, die ich selbstverständlich wieder Punkt 12 zur Mittagshitze besuchte. Ihr seht also mein Timing ist immer noch nicht besser geworden ? Trotzdem war die Anlage beeindruckend, vor allem der Blick über die Ruinen zum Wasser ? Seltsamerweise war hier noch dazu überhaupt nichts los, da kann sich so manch überrannte mexikanische Ruine mal eine Scheibe von abschneiden. Schöne Ausblicke sollte es an diesem Tag aber noch mehr geben, entlang einer wunderschönen Küstenstraße ging es weiter zur Burgruine Kritinia. Welch eine Aussicht auf umliegende Inseln und das ionische Meer! Auch hier kaum eine Menschenseele. Auf dem Weg zur nächsten Ruine machte ich Halt an einem Verkostungsstand für Olivenöl, Wein und Honig. Nach einem Schlückchen Öl und einem Löffel Bienennahrung zeigte mir der Verkäufer Stavros noch einige Kräuter der Gegend, aus denen man sich einen Tee zaubern konnte. Zu guter Letzt schenkte er mir noch ein Fläschchen Olivenöl und ein Glas Honig, öhm ja…so wird das nix mit dem Schuldenberg abtragen liebes Griechenland ?
Weiter ging’s zur Festung von Monolithos, auf der eine kleine, typisch weiße Kapelle stand. Hier konnte man es aufgrund der steifen Brise auch gut etwas länger aushalten. Am darunter liegenden Fourni Beach wusch ich mir dann den Staub und Schweiß des Tages bei einem Bad im Meer ab und ließ den Tag am Strand ausklingen.

Schon nach diesem ersten Tag war ich also restlos angetan von diesem Fleckchen Erde, alleine wie es hier schon riecht! Nach Pinien, Kiefern und Bergkräuter, yummi ? Und dazu das Gezirpe der Zikaden und überall diese Olivenhaine, ein Träumchen!

Am Tag darauf nahm ich mir die Inselhauptstadt Rhodos vor. Um dem Parkplatz-Chaos zu entkommen startete ich früh am Morgen und war somit bereits vor den drängelnden Massen in der Altstadt. Ein Gässchen schöner als das andere! Hier konnte man sich noch richtig das Leben vor ein paar hundert Jahren vorstellen. Den Besuch im Großmeisterpalast hätte ich mir allerdings sparen können, alte Münzen, Tontöpfe und Co. interessieren mich alten Kunstbanausen nicht besonders ? Nach fünf Stunden ziellosem Hin und Her durch die noch so entlegensten Gässchen fuhr ich an den Tsambika-Beach, um meine rauchenden Füße abzukühlen. Gar nicht mal so schön da…dabei hatte ich irgendwo gehört oder gelesen, dass der Strand der Schönste der Insel sein soll. Ich verstehe anscheinend was anderes unter schön als alle ein mit Sonnenliegen vollgepflastertes Stück Erde, an dem man vor lauter Booten für diverse Wassersportarten nicht mal in Ruhe schwimmen kann. Der Sand erinnerte mal wieder eher an zerkleinerten Bauschutt als an feinen Korallenstaub. Da war mir das süße Kiessträndchen am Tag zuvor auf der Westseide viel lieber!
Nun ja, nach den Cook Islands sind wir nun wohl auch bis ans unser Lebensende versaut was die Schönheit von Stränden angeht…

Einen weiteren Tag verbrachte ich in Lindos, dem weißen Bilderbuchdorf und Aushängeschild von Rhodos. Das Dorf ist wirklich sehr, sehr hübsch mit seinen weißen Flachdach-Bauten und der Akropolis auf dem angrenzenden Hang. Wenn man die menschen- und esel-gefüllten Hauptwege umging, konnte man auch jetzt in der Hauptsaison ein paar leere, ruhige Gassen finden. Gerne hätte ich mal in den einen oder anderen Innenhof gelugt…
Danach wie immer: STRAND! Diesmal der Glystra Beach, angenehm klein und ruhig sogar mit ein paar schattenspendenden Bäumen und Sträuchern, eine Seltenheit hier.

An meinem letzten Tag (oh Gott, schon?!) fuhr ich bis zum südlichsten Zipfel der Insel, an den Prasonisi Beach mit angrenzenden Halbinsel. Bekannt ist der Strand für seinen niemals endenden Wind, den unzählige Wind- und Kitesurfer für sich nutzen. Und zu mehr ist er auch nicht zu gebrauchen, der Strand ist gelinde gesagt echt schlecht ? Überall Müll, Pfui! Ich überquerte ihn im Eilgang um auf die Halbinsel zu gelangen. Dort boten sich nach einer kurzen Wanderung mal wieder traumhafte Ausblicke auf die Steilküste und einen Leuchtturm am äußersten Zipfel. Leuchttürme mag ich ja irgendwie…wahrscheinlich wegen der wildromantischen Vorstellung eines einsamen Leuchtturm-Wärters in einem tobenden Sturm vor langer Zeit ? Für meinen Mittagssnack suchte ich mir eine kleine Taverne im Hinterland aus und hatte Glück. Jeder Gast wurde persönlich von Papa Georgio, dem Dorfpastor begrüßt und je nachdem woher man kam wurden ein paar Sätze in der jeweiligen Sprache gewechselt. Die bestellte Zucchini mit Thunfisch kam als ein kuchenähnliches Stückchen daher und war so mächtig, dass ich das Gefühl hatte eine Woche nichts mehr essen zu müssen, börks. Aber lecker wars ?
Danach fuhr ich einfach ohne Plan weiter Richting Westen in die Berge, blieb hier und da stehen um die Aussicht zu genießen und landete durch Zufall noch in einem hübschen Kloster. An der Westküste angekommen staunte ich wie an meinem ersten Tag auf Rhodos schon über das türkise Wasser und die herrliche fast touristenfreie Zone. Irgendwann führte ein Weg steil den Hang hinunter in eine Bucht mit dem winzigen Dorf Glyfada. Außer ein paar kleinen Häusern und einem Café namens „Paradise“ gab es hier nichts, aber es war einfach nur herrlich! Man suchte sich sein Bier im urigen Wohnzimmer von einem wirklich sehr betagten Ehepaar aus und konnte den leckeren Gerstensaft dann an kleinen Tischen direkt am Wasser genießen. Nach einer kurvenreichen Rückfahrt neigte sich mein Urlaub auch schon dem Ende zu, früh am nächsten Morgen startete der Flieger über Athen zurück nach Hamburg.
Kurz kamen wieder ein paar alte Gewohnheiten der Weltreise auf und ich wollte die Rolle Klopapier mitgehen lassen…? Aber nein, zu Hause wartet sicher ein ganzes 10er Paket auf mich, hui!

Wobei ich mich in Hamburg gar nicht soooo lange aufhalte, nach einer Hochzeit in Bayern geht es am Montag nämlich gleich wieder los ? Diesmal nach Neapel und der Amalfiküste und Jannis ist auch wieder dabei. Die Reisebilder werden also wieder eine bessere Qualität haben und etwas zahlreicher sein, leider sind nämlich versehentlich 80% der Bilder vom Rechner verschwunden…

Fazit: Die griechischen Inseln gehen einfach immer! ? Im Prinzip ähneln sie einander stark, aber jedes Eiland hat so seine eigenen Glanzstücke und Schandflecken. Rhodos glänzt mit seiner schönen Bergwelt, der Westküste mit dem türkisen Wasser und den Burgruinen mit grandiosen Ausblicken. Nicht so toll fand ich aber die Strände, teilweise vermüllt wie in Asien und Sonnenliege grenzt an Sonnenliege. Vielleicht war ich aber einfach nur an den falschen Stränden?!

Alleine reisen ist nochmal etwas völlig anderes als zu zweit. Leider wird man als Pärchen oft als eine Art abgeschlossene Einheit gesehen und kommt daher seltener in Kontakt mit anderen. Alleine wird man ständig zu Kaffee oder Abendessen eingeladen, man hat nette Gespräche mit dem Handtuch-Nachbarn am Beach und selbst der Rentner auf Sommerurlaub quatscht einen am Gepäckband voll. Blöd ist nur das Rücken eincremen alleine ? Und als Singlereisender hat ein Selfie-Stick auch durchaus seine Berechtigung ?

Der nächste Beitrag also in Kürze, bis dahin!

4 thoughts on “Griechenland – Rhodos

  1. Huhu, jetzt habe ich gerade mal etwas Zeit, meinen schnöden Kommentar abzugeben.
    Also da haste es dir ja nochmal richtig gut gehen lassen, so alleine …. Aber wo war Carlos? Hatte der keinen Bock mit der Ollen zu Urlauben? ?
    Gruß Majoon

  2. Hach wie schön mal wieder einen Eintrag hier zu lesen ? grichische Inseln gehen wirklich einfach immer ? hab direkt Lust bekommen mal wieder etwas Zeit dort zu verbringen ?
    Euch Wander-Junkies empfehle ich wärmsten mal auf die Azoren Insel Sao Jorgè zu reisen – traumhaft dort ?
    Ach ja die Hochzeit in Bayern…die Zeit rennt ?
    Freu mich auf euren Italienbericht!
    Liebe Grüße,
    Lisa

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