Rheuma, wo bist du? – Rückblick auf 14 schmerzfreie Monate

„Sie sitzen auf einem Stuhl und ihnen fällt ihr Schlüssel auf den Boden. Kreuzen Sie bitte an!“

( ) Ich kann ihn problemlos aufheben
( ) Mit Mühe kann ich ihn aufheben
( ) Ich kann ihn nur unter starken Schmerzen aufheben
( ) Ich kann ihn nicht aufheben

Nach 14 Monaten sitze ich mal wieder im Wartezimmer meines Rheumatologen und fülle den Selbsteinschätzungs-Bogen aus. Ich weiß noch, wie mich dieser Fragenkatalog bei meinem ersten Besuch hier in der Praxis unglaublich erschreckt hat. Gibt es wirklich Leute, die solch einfache Handgriffe nicht mehr meistern können? Menschen, die bei Fragen wie „Können Sie sich alleine waschen?“ antworten: „Geht nicht mehr“? Leider gibt es sie und nein, sie sind nicht alle 85 Jahre alt.
Als ich vor fast zwei Jahren meine Diagnose bekam und diese Fragen beantworten musste, sah ich mich schon am Krückstock durchs Leben humpeln. Damals waren Treppen meine persönlichen Feinde und selbst die fünfzig Meter morgens zum Bus waren mit den geschwollenen Knien eine Herausforderung. Der Unterschied zu heute könnte größer kaum sein, bei der Einschätzung zur Krankheitsaktivität zwischen 0 und 10 kreuze ich ganz dick die Null an. Puh, heute bin ich froh solch eine Null-Nummer zu sein..

Rheuma? Nichts von zu sehen!

„Frau Rüb, bitte!“ Mein Rheumatologe holt mich wie immer im Wartezimmer ab, um gleich zu kontrollieren wie ich aus dem Stuhl komme und laufen kann. Am liebsten wäre ich ihm im Moon-Walk gefolgt, nur um zu zeigen wie entzündungsfrei meine Gelenke sind. Aber leider bin ich auch motorisch eine Null-Nummer..?
Nun ja, heute hat er nicht viel mit mir zu tun außer mir neue Rezepte auszustellen und sich ein paar lustige Rheuma-Reise-Storys anzuhören.
Zum Beispiel damals als ich mit meinen drei Wörtern Spanisch versucht habe einen Termin bei einem Rheumatologen in Bogotá zu bekommen…oh Mann…oder als unser süßer thailändische Gastgeber die Spritzen im Kühlschrank sah und dachte, ich würde das Gras bald von unten sehen… oder die Geschichte, als ich die Medikamenten-Kühltasche in einem kolumbianischen Bus liegen lassen habe und der Busfahrer wegen des Thermometers dachte, es wäre eine Bombe ?
Hach ja, man hat schon einiges erlebt mit der Krankheit…Ich könnte ein Sammelalbum eröffnen mit Blutwerten in den unterschiedlichsten Sprachen! Oder eine Best-Of-Liste der Krankenhäuser rund um die Welt!

Man wird während solch einer Reise aber auch nach und nach gelassener im Umgang mit der Krankheit und den unterwegs zu erledigenden Aufgaben. Wie seltsam es in den ersten Monaten noch war eine Blutuntersuchung in einem fremden Land durchführen zu lassen und zum Schluss wurde es zur völligen Normalität. Welche Angst ich anfangs hatte, dass man mir meine Spritzen im Handgepäck wegnimmt und letztendlich wollte nicht mal ein einziger Zollbeamter die ausgefüllten Bestätigungen meines Rheumatologen sehen. Auch höre ich nicht mehr wie zu Beginn der Reise jeden Morgen in mich hinein und analysiere dieses Knacken hier und jenes Knirschen dort.

Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass die Reise genau das war was ich gebraucht habe: raus aus dem Dauerstress und sich mal nur um sich selbst kümmern. Und ich kann mir gut vorstellen, dass genau das zu meinem momentanen sehr guten Allgemeinzustand geführt hat. Klar, das Besorgen der Medikamente in Südamerika und Vietnam war kompliziert und die ständige Suche nach vegetarischem Essen ging auch unglaublich auf die Nerven, trotzdem würde ich es genauso wieder machen. Am liebsten gleich morgen wieder los..

„Gut Frau Rüb, dann sehen wir uns in drei Monaten wieder!“ reißt mich der Arzt aus meinen Gedanken und geleitet mich zur Tür. Und während ich so gelenkig wie ein Teenager aus der Praxis hopse, denke ich mir wie auch schon unzählige Male zuvor:
Was hatte ich nur für ein unglaubliches Schwein!!

P.S.: Ich werde diesen Blog nun auch nach der Reise fortführen. Zum einen wurden uns einige Zusammenarbeiten angeboten, über die ich berichten möchte und zum anderen befinde ich mich gerade im Experiment „schrittweise Medikamente absetzen“, was vielleicht auch für einige andere Patienten interessant sein könnte. Ihr werdet also von mir hören!

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