Roadtrip Vietnam – Tan Thien, Mui Ne und Da Lat

Um vier Uhr morgens hieß es raus aus den Federn und rauf auf das Motorrad!
Um dem Berufsverkehr der 8,5 Millionen Stadt Ho-Chi-Minh zu entgehen mussten wir früh aufstehen und trotzdem war schon einiges los auf den Straßen. Gleich auf den ersten paar Metern mussten wir feststellen, dass die Lichter unseres heißen Ofens nicht mehr funktionierten, das fing ja schon mal lustig an ? Bei einer Flussüberquerung per Fähre und auch auf unserem weiteren Weg Richtung Küste wurden wir von den Vietnamesen ziemlich beäugt und so manch einer grinste wie ein Honigkuchenpferd. Jaha, unser Motorrad sieht schon lustig aus, so vollgepackt und überladen. Trotz der extra verstärkten Federung an der Hinterachse schleifte das Rad auch öfter mal kurz am Rahmen, läuft ?
Wir schafften ganze 160 km in 5 Stunden, Pausen aber mit eingerechnet, und landeten in Tan Thien, ein touristisch völlig unberührtes Städtchen am Meer. Man fühlte sich wie die Attraktion des Tages, im Supermarkt blieben die Leute stehen und schauten welche Weißhaut da in ihrem Obstregal wühlt und die Kinder kamen gänzlich ungeniert zum Gaffen heran.
Leider ging hier das Suchen nach vegetarischem Essen wieder los und wir mischten die ganze Stadt auf bis wir den Tipp bekamen, in der Nähe des Tempels soll es Vegetarisches geben. Ein streng gläubiger Buddhist isst nämlich kein Fleisch, nur leider nimmt man das hier nicht so genau. Veggie-Merkzettel: Siehst du einen Mönch in orangener Kutte, hefte dich an seinen Hintern! Er wird dich zum Futter führen.
Wir landeten also bei zwei unglaublich süßen Omas, die uns Lau Chay servierten. Das ist ein Topf mit Brühe, der am Tisch auf einer Flamme köchelt und man bekommt einen Berg an Gemüse und Reisnudeln zum darin garen. Lecker! Wie sie sich freuten, dass wir alles mit großem Appetit verspeisten ? Unser Moped musste auch hier schon wieder in die Werkstatt, die Federung wurde wegen des Aufsetzens noch mal härter gestellt und die Beleuchtung repariert.

Tags darauf ging es auch gleich wieder los, unser eigentliches Ziel hieß nämlich Mui Ne. Mui Ne ist ein kleiner Ort mit hübschem Strand, den man zur High-Season auch Klein-Moskau nennen könnte; da wimmelt es hier nur so vor Russen. Gut, dass momentan aber Regenzeit ist und so teilten wir uns den Ort nur mit wenigen Anderen. Hauptattraktion der Umgebung sind die weißen Sanddünen, die wir uns natürlich auch nicht entgehen ließen. Ein bisschen fühlte man sich hier wie in der Wüste, die Hitze brachte einen fast um und der Wind pustete einem den Sand bis in die Po-Ritze. In Mui Ne bekam unser fahrbarer Untersatz noch einen Ölwechsel und wurde auf den wohlklingenden Namen Sieglinde getauft.

An unserem vierten Fahrtag konnte sich die wuchtige Sieglinde gleich mal in den Bergen beweisen, bis nach Da Lat galt es 160 km und 1500 Höhenmeter zu überwinden. Dieser Tag war nicht der Schönste kann ich euch sagen… Zuerst wurde die Straße so schlecht, dass wir nur noch mit 20-30 Stundenkilometer vorankamen und es somit ohne Fahrtwind unglaublich heiß wurde, so komplett bekleidet mit Jeans und langärmeligen Oberteil. Später neigte Sieglinde dazu sich bei extremen Steigungen auf ihr schweres Hinterteil setzen zu wollen, heißt wir wären ein paar Mal fast nach hinten umgekippt. Nach einer Weile hatten wir aber eine Rennfahrer-Position raus, mit der wir stark nach vorne geneigt ihre Versuche abzuheben unterbinden konnten. Als Krönung des Tages ging die heiße, stechende Sonne am wolkenlosen Himmel abrupt in einen Regenschauer über… Durchnässt und mit schmerzendem Hinterteil kamen wir nach 7 Stunden in Da Lat in den Bergen an. Ganz schön kalt hier, gerade einmal 20 Grad ?
Den Abend verbrachten wir dann noch mit Freunden aus Hamburg, Marcel und Krisssi, die auch gerade in der Welt rumtingeln und zufällig zur selben Zeit am selben Ort waren. War schön mal wieder bekannte Gesichter zu sehen!
Am nächsten Tag kamen immer mal wieder Sturzbäche vom Himmel, immer noch Ausläufer des Taifuns, der im Norden des Landes gewütet hat. Und so bekamen wir dicke Tropfen ab beim Wasserfall anschauen und in der Sommerrodelbahn, wurden nass nach dem Seilbahnfahren und beim Klosterbesuch und auch auf dem Weg zum Supermarkt bekamen wir ungefragt eine Dusche.

Am Abend waren wir bei unseren Gastgebern zum Abendessen eingeladen und das war eines der seltsamsten Erlebnisse, die wir bis jetzt während der Weltreise hatten ? Kaum saßen wir da am Tisch, sagte unsere Gastgeberin wir sollen schon einmal mit essen anfangen und ging nochmal aus dem Haus um etwas zu erledigen. Gut, zehn Minuten später war sie wieder da und das Essen konnte starten. Ihr Mann und ihre Pflegetochter (?) setzten sich noch mit an den Tisch und straften uns mit Missachtung. Wir fühlten uns ziemlich unerwünscht ? Dieses Gefühl verschlimmerte sich noch durch die etwas eigenwillige Gesichtsgestik der Gastgeberin, fragte man sie nämlich etwas (um nett Konversation zu betreiben) lächelte sie leicht gequält und anschließend fielen ihre Mundwinkel wieder ins Bodenlose. Nach dem die Tochter und ihr Mann aufgegessen hatten, verzogen sie sich kommentarlos. Sie fragte uns dann auch kurz darauf, ob wir jetzt wieder in unser Zimmer wollten, so à la „Möchtet ihr nicht langsam gehen?“. Das Allerkomischste war dann aber, dass sie uns für den nächsten Tag nochmal einlud! Dieses zweite Essen endete dann damit, dass alle drei Familienmitglieder am Handy hingen und wir uns schnellstmöglich verabschiedeten ?
Der nächste Tag begann wie der vorherige… aber hey, schlimmer geht immer. Erst besuchten wir eine Pagode etwas außerhalb der Stadt und kaum saßen wir wieder auf Sieggis Rücken kam eimerweise Wasser von oben. Wir mussten auf sieben Kilometern zweimal pausieren, waren aber am Ende trotzdem nass bis auf die Unterbux (trotz Regenmantel!). Kaum im Hotel rief mich meine Bank an, es wären seltsame Bargeldabhebungen von meiner Kreditkarte abgegangen. Da hat doch auf Bali ein Scherzkeks meine Kreditkarten-Information geklaut und munter etwa 1200 Euro abgehoben! Hach und zu guter Letzt wollte Sieglinde natürlich auch hier eine Werkstatt von innen sehen, das Radlager war im Ars… und die Gänge sprangen immer wieder raus.
Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit Schuhe fönen…

Um die ersten Tage mit Sieggi muss man uns also wahrlich nicht beneiden, auch wenn einem diese Art des Reisens viel näher an die Bevölkerung bringt. Wir hatten noch in keinem Land zuvor so viel Kontakt zu den Einheimischen und hoffen, dass dies weiterhin so bleibt. Obwohl manchmal schon komische Vögel dabei sind ?

 

8 thoughts on “Roadtrip Vietnam – Tan Thien, Mui Ne und Da Lat

  1. Coole Sache das ganze. Findet man sich bei den Temperaturen eher mit Regen ab? 🙂
    Fahrt ja weiterhin vorsichtig, hätte ja gern mal n Bild wie ihr beide gleichzeitig auf Sieglinde sitzt ?

    Das mit der kreditkarte braucht man ja auch nicht unbedingt ? hoffe die Bank ist da kulant – aber idr kriegt man das ja anstandslos wieder!?

    Liebe Grüße

  2. Hallo ihr zwei,
    das problem hatte ich in thailand…..bei mir waren es 1.200 euro und wurden ohne weiteres zurück gebucht!
    viel spass noch mit sieglinde und gut aufpassen!
    grüße aus vila nova de milfontes….♥♥♥
    beate

    • Ja normalerweise bekommt man es wieder, weiß nur nicht wie das mit der Anzeige läuft, da ich keinen festen Wohnsitz mehr in Deutschland habe… Mal sehen. Liebe Grüße aus Nha Trang

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