Roadtrip Vietnam – der Northern Loop und Sa Pa

Siggi! Weiter geht’s, auf gen Norden! Mit einer Übernachtung in Cao Loc schafften wir in zwei Tagen den Weg nach Cao Bang, immer schön an der chinesischen Grenze entlang. War der Weg am ersten Tag noch recht langweilig, tat sich am zweiten wieder eine wunderschöne Karstberg-Landschaft auf. Nein, wir sind immer noch nicht abgestumpft ?
Von Cao Bang aus unternahmen wir eine Tagestour zu den Wasserfällen Ban Gioc und der in unmittelbarer Nähe liegenden Höhle mit einem unaussprechlichen Namen. Auch dieser Weg führte uns durch Täler, eines schöner als das andere. Überall wuselten Menschen auf den Feldern herum, da gerade die Reisernte eingeholt wurde. Die Einheimischen leben hier noch wie bei uns vor 100 Jahre von der Landwirtschaft und Viehzucht, nur die SAT-Schüsseln auf den Dächern holen einen in die Gegenwart zurück.
Die Wasserfälle sind die größten Vietnams und fallen vor allem durch ihre Breite ins Auge. So breit, dass eine Seite auf vietnamesischem Boden liegt und die andere auf chinesischem Terrain. Wir konnten also mal rüber spucken und winke, winke machen. Die Höhle ganz in der Nähe hatte zwar nicht die krassen Tropfsteine wie in Phong Nha, dafür durfte man sie noch selbst erkunden, in ihr herumkraxeln und war so gut wie allein.
Hier im Norden können wir auch ein wenig Herbst-Feeling genießen, es ist relativ kühl, riecht nach Winter und überall werden Esskastanien verkauft. Schön ist das aber nur, wenn man weiß, dass man danach bald wieder Sommer hat, hust…?

In zwei weiteren Fahrtagen kämpften wir uns hoch hinauf ins Gebirge. Es wurde einem ganz schön schwindelig, wenn man in die Tiefe schaute… direkt neben der Straße ging es steil bergab. Die Kulisse war einfach sensationell!
Weniger schön war hier die extreme Armut der Menschen, die Kinder liefen entweder nackt oder mit extrem verdreckten Klamotten rum und die Erwachsenen hatten kaum noch Zähne. Wir stoppten hier und da und verteilten Naschi, kleine Spielzeuge und Buntstifte. Bei einer Familie zerriss uns fast das Herz.. zuerst waren nur drei Kinder an der Straße, dann hüpften weitere zwei mit der Mutti herbei und Vater lief noch schnell hinters Haus, um auch das Kleinste herbei zu tragen. Die haben sich gefreut wie an Weihnachten über so ein paar Kleinigkeiten…
Nach einem Tag Medikamenten-Zwangspause in Dong Van starteten wir Richtung Ha Giang, eine der schönsten Strecken Vietnams und angeblich nur von wenigen Touristen befahren.. Denkste! Während wir in Zentralvietnam nur sehr selten andere westliche Moped-Fahrer sichten konnten und immer mutterseelenallein waren in den Hotels, kam uns hier alle Meter eine Langnase entgegen.
Und Massen an vietnamesischen Touristen auf ihren Motorrädern oder in Kleinbussen! Es waren wirklich tausende und so ging es ziemlich ungemütlich zu auf den Straßen. Hinzu kam, dass wir irgendeinen Pansch-Benzin getankt hatten, der ungefähr so gut brannte wie eine Löschdecke und Sieglinde bergauf muckte wie ein störrischer Gaul. Ja ja, der Siggi brauchst du nicht mit Sekt kommen, die säuft nur Champagner! Trotz allem war die Fahrt ein Träumchen ?

Nach einer Übernachtung in Ha Giang traten wir dann die 2-Tages-Tour nach Sa Pa an… Über eine Straße, die ihren Namen nicht verdient hatte und schlechter war als jeder Feldweg in Deutschland quälten wir uns Richtung Pho Rang. Mit Kopfschmerzen und von oben bis unten eingestaubt suchten wir uns dort eine der arg überholbedürftigen Unterkünfte aus, man hatte quasi die Wahl zwischen Scheisse und Scheisse. Spät abends kam noch eine Horde Vietnamesen ins Hotel…so lieb wir sie auch haben, beim Schlafen kann man ihr Geschrei auf dem Flur nicht gebrauchen und auch den Zigarettenrauch mag niemand im eigenen Schlafzimmer. Morgens um fünf wurde noch dazu unsere Nacht jäh durch eine sozialistische Propaganda-Durchsage beendet, der Lautsprecher hing direkt hinter unserem Fenster und dröhnte volle zwei Stunden lang..
Wenigstens war der zweite Fahrtag sehr entspannt und wir kamen relativ früh am Tage in Sa Pa an. So konnten wir uns das ulkige Städtchen gleich mal bei Tageslicht anschauen. Hier siehts nämlich aus wie in einem typischen Ski-Ort in den Alpen, nur halt noch mit einem vietnamesischen Touch… sehr seltsame Mischung ? Dass hier ab fünf Uhr nachmittags die Temperaturen auf 10 Grad fallen macht die Illusion perfekt und wir fühlen uns mitten in den Winter versetzt. Doof, dass wir kaum noch warme Klamotten besitzen ?
Der Ort ist vor allem bekannt für seine steilen Reisterassen in der Umgebung und die führten wir uns tags darauf mit einer Wanderung zu Gemüte. Ist schon nochmal was anderes als auf Bali, hier nutzt man für die Terrassen den gesamten Berghang und ist er noch so steil.
An Sa Pa scheiden sich ein bisschen die Geister, die einen finden es furchtbar, die andern lieben es… wir zählen uns zur zweiten Gruppe, weil wir uns hier schon allein wegen der Temperaturen etwas heimisch gefühlt haben. An einem anderen Tag besuchten wir noch eines der angeblich ursprünglichen Bergdörfer in der Umgebung.. naja, so richtig authentisch ist das nicht mehr mit den ganzen Verkaufsständen und Touri-Massen. Wir konnten uns nicht helfen, die Bergvölker erinnern uns ein bisschen an die indigene Bevölkerung Südamerikas: rot-braune Pausbäckchen, bunte Trachten und seltsame Kopfbedeckungen.

Natürlich gab es auch hier wieder Wasserfälle! Ja, so langsam haben wir genug davon gesehen, aber mit dieser Bergkette im Hintergrund…nicht schlecht! Hollaradioooohhhh, Heidi würde sich hier auch wohl fühlen.

Und so treten wir nun den Rückweg nach Hanoi an, um einen neuen Besitzer für Siggi zu finden.. Oh Gott, Neeeeeiiiin! ???

Vietnam, du Schöne! Wir haben für euch versucht den Zauber der letzten 8 Wochen und die Stimmung des Landes in einem Video einzufangen. Dieses Video hat sehr viel Arbeit gemacht, also genießt es gefälligst! ?

Outandabout in Vietnam YouTube play

 

10 thoughts on “Roadtrip Vietnam – der Northern Loop und Sa Pa

  1. Sabrina! Ich habe mich wieder so köstlich amüsiert mit deinem Text!!! Es gibt auch so interessantes Soziales zu den Leuten dort zu erfahren, das mag ich! 🙂 Man möchte ihnen so gern ein wohlhabenderes Leben wünschen…. Und die tollen Fotos des Meisterfotografen! Und erst der Film!! Zu gern hätte ich an der einen oder anderen Stelle länger verweilt, nee, nicht die Froschfußabschnippel-Szene oder den Krokodilbraten…., aber dann wär der Film wohl abendfüllend geworden! Großartige Arbeit! Vielen Dank für die tollen Eindrücke! Seid gegrüßt aus dem herbstlichen Hamburg! 🙂

    • Wie oft hast du‘s angeschaut? Jannis und ich haben eine Wette laufen ? Ach, bei den Fröschen gab’s auch noch nen ganzen Hund ohne Kopf, das haben wir euch aber erspart ? Bei so einem Film ist es wirklich schwierig, man muss ganz kurze Szenen finden und davon Massen. Denke das nächste wird auch wieder normal werden *schweiss-von-der-Stirn-wisch*

  2. Der Film ist toll! Bis auf das arme Krokodil und den kleinen Frosch. …also Hund würde garnicht gehen….Viele Grüße von Joris!

    • Hello Jori! Tja andere Länder andere Sitten… Hier wird so ziemlich alles verspeist was man in die Finger bekommt ? bestimmt auch kleine unartige Jungs! Ich hoffe du und deine Brüder sind immer artig! Nicht das ich euch fressen muss wenn ich wieder da bin, manchmal nimmt man ja die Sitten anderer Länder mit Heim ? Was macht deine Schlagzeug Kunst? Meinst du du kannst es schon mit mir aufnehmen? ? Grüße dein Onkel

  3. So, nun habe ich es auch endlich geschafft das schicke Video zu gucken! Blogs am späten Nachmittag sind unpraktisch 😉 Die Drohnenaufnahmen sind immer sooooo toll!
    Ole war auch ganz entrüstet, der arme Frosch und das Krokodil… ohje…
    Jori meinte „Oh Gott….“, denke er hat Bedenken, was die Schlagzeugkunst betrifft 😉
    Wir schicken regnerische Sonntagsgrüße!

  4. Huhu ihr Zwei!
    Jetzt habe ich den tollen Film ein Dutzend mal angeschaut! Mal mit Oma, mit Jesse, mit Joris und ganz oft mit mir!!
    Vietnam in 8 Minuten, toll das man das in so kurzer Zeit durch die absolut grandiosen Landschaften schafft. Aber IHR habt ja zum Glück für jede Minute eine Woche Zeit gehabt und konntet das so richtig in euch aufsaugen. Ich habe nicht gewußt, daß dieses Land so unglaubliche Schönheiten zu bieten hat. Dachte, es gibt da nur Dschungel….
    Die tollen, spannenden Berichte haben Land und Leute so richtig nahe gebracht.
    So möchten wir gerne weiter unterhalten werden, zu welcher Tageszeit auch immer!

    • Genauso ists gedacht gewesen, alles kann man nicht mit ein mal gucken aufnehmen, außer man macht in jeder Szene pause ? Wir wurden auch völlig überrascht und so ganz Können und wollen wir nicht glauben das wir morgen schon dieses wunderschöne und grandiose Land verlassen. Komisch wie man so schnell eine Bindung aufbaut! Keine angst, wir machen schon weiter. Und Zeit und Wochentage? Was ists das? ?

  5. Megageiles Video! Was habt ihr alles leckeres gekostet in Vietnam? Jannis auch mal ein bisschen Kroko?
    Ich freue mich auf Berichte aus Laos vom Dreamteam 🙂

    • Außer ein paar Maden haben wir gar nichts ungewöhnliches verspeist, Krokodil hatten wir ja schon mal in Berlin. Leider gab es Frösche nur als Ganzes und Hühnerfüße immer gleich nen Teller voll, sonst hätten wir das auch mal probiert. Liebste Grüße ins schöne Laufach-Tal

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